Bewertung von Ideen

Ideen zu produzieren ist leicht. Sie richtig einzuschätzen ist schwer. Aber an der Bewertung führt kein Weg vorbei, denn eine Idee, deren Potenzial man nicht kennt, ist wertlos. Die Bewertung von Ideen wird hier am Beispiel der Produktinnovation erläutert; Ideen für einen Roman beispielsweise oder für einen gelungenen Urlaub mit der Familie unterliegen naturgemäß anderen Kriterien.

Bei der Bewertung von Ideen können einem zwei grundsätzliche Fehler unterlaufen:
1. Es werden Produktideen vorangetrieben, die sich nicht lohnen.
  • Dabei klammert man sich oft an sogenannte „Lieblingsideen“, ohne sie einer kritischen Betrachtung zu unterziehen.
  • Ideen, die von der Geschäftsleitung kommen, werden unkritischer beurteilt, als es notwendig wäre.
  • Die Zustimmung von Personen ohne Expertenwissen wird überbewertet. Genannt seien Kunden, Mitarbeiter, Geschäftspartner.
2. Es werden Produktideen verworfen, die zu einer erfolgreichen Innovation geführt hätten.
  • Diesen Fehler bemerkt man meist sehr schnell: Die Idee wird von einem Konkurrenzunternehmen umgesetzt.
  • Charakteristisch für konservative Unternehmen: Sie stehen Innovationen grundsätzlich ablehnend gegenüber.
  • Man versucht, den Kosten- und Zeitaufwand für die Prüfung der Idee zu sparen.
Um zu einer fundierten und aussagekräftigen Bewertung einer Idee zu gelangen, ist es erforderlich, den Vorgang der Bewertung objektiv und nachvollziehbar zu gestalten. Erst, nachdem alle relevanten Fakten zusammengetragen und gesichtet wurden, kann man eine Entscheidung fällen. Jetzt ist der gesunde Menschenverstand gefragt. Oder die Intuition.

Grenzen der objektiven Ideenbewertung
Jede Methode hat ihre Grenzen. Sie zu kennen kann helfen, Fehlentscheidungen zu vermeiden.
  • Die Prüfung der Idee ist mit zu hohen Kosten behaftet.
  • Die gegenwärtigen Parameter sind in hohem Maße zeitabhängig. Zukünftige Entwicklungen können nur mit geringer Wahrscheinlichkeit vorhergesagt werden.
  • Wo exakte Daten fehlen, wird mit Schätzungen und Vorhersagen gearbeitet. Diese sind oft subjektiver Natur und dementsprechend fragwürdig in ihrer Aussagekraft.

Eignungsanalyse
Zunächst sollte geprüft werden, ob das neue Produkt überhaupt für den Markt attraktiv ist und ob das Unternehmen die nötigen Kompetenzen für die Einführung des Produktes besitzt.

Vor allem sollten folgende Fragen beantwortet werden:

Kundenpotenzial 
Wie hoch schätzen Sie die zu erwartende Nachfrage ein? (Ergebnisse von Marktstudien)

Kundennutzen
Welchen Mehrwert bietet das Produkt dem Kunden? Wie beurteilt der Kunde diesen Mehrwert?

Vorteil
Welche Vorteile bietet das Produkt außerdem (Beispiele: Verkürzung der Vertriebswege, Vereinfachung des Herstellungsprozesses, Materialeinsparungen)? Wie groß sind diese Vorteile?

Kundenansprache
Lässt sich der Mehrwert verständlich kommunizieren?

Nachteile
Wie schwer wiegen die Nachteile? Nachteile gibt es immer! Seien Sie kritisch.

Kosten
Lassen sich die Kosten der Produkteinführung gering halten?

Ressourcen
Kann das Unternehmen das Produkt mit eigenen Mitteln auf den Markt bringen?

Flexibilität
In welchem Maße ist die Idee an neue Erfordernisse anpassbar? Oder bricht sie in sich zusammen, wenn sich ein Parameter ändert?

Rückzugsposition
Kommt man mit einem blauen Auge davon, wenn das Projekt scheitert?

Investitionsbedarf
Steht die Höhe der Investitionen im angemessenen Verhältnis zu den Ertragsaussichten?

Die sorgfältige Beantwortung dieser Fragen ist fast immer mit hohem Aufwand verbunden. Aber oft reicht schon eine persönliche Einschätzung aus, um Schwachpunkte von Ideen auszumachen. Eine weitergehende, kostenintensive Analyse kann man sich dann mitunter sparen. Bei allen Warnungen, nicht subjektiv zu urteilen, bei allen Vorteilen, die Testverfahren bieten, sollten Sie eines immer im Auge behalten: Wenn Sie ein gutes Gefühl im Bauch haben, lassen Sie sich nicht davon abbringen. Visionen lassen sich nicht messen.