Kunst ist nur eine Idee. / art is just an idea.

Eröffnung. / opening.

März dieses Jahres. Galerie von Schmitz. Zur Vernissage erscheint der Künstler nicht. Kunst ist nur eine Idee. Die Gäste amüsieren sich trotzdem gut. Der Künstler auch. Seine Anwesenheit ist nur eine Idee. Seine Abwesenheit auch.


Die Idee. / idea.

Am leeren Ort steht ein Vermittler. Er erklärt das nicht realisierte Kunstwerk, das doch aber als Idee schon existiert. Wie existiert es überhaupt? Welcher Art ist das Kunstwerk, welches vorgibt, ein anderes zu erklären, selbst aber ja auch schon immer Kunst war? Der Vermittler spricht den vorbereiteten Text. Das Kunstwerk verzichtet auf seine Existenz als Objekt, ohne aber ganz von sich absehen zu können. Das Kunstwerk – von dem der Vermittler ein Teil ist – teilt sich mit. Aber die Erklärung hat eine Grenze. Der Vermittler hat nur seinen Text. Darüber hinaus schweigt das Werk über sich. Es ist nur bedingt mitteilsam. Es bleibt weiterhin rätselhaft. Die Grenze des Kunstwerkes verschiebt sich. Zu jeder vollen Stunde ist der Vermittler für 15 Minuten von seiner Aufgabe freigestellt. Was wird geschehen? Wie reagiert das Kunstwerk auf die Aufhebung seiner Rahmenbedingungen? Einige der Vermittler diskutieren mit dem Publikum (und distanzieren sich vom Ausstellungskonzept). Andere verlassen die Galerie für diese Zeit. Das Kunstwerk verändert sich. Der Vermittler steht nicht mehr zur Verfügung. Das Kunstwerk wird unsichtbar (es wird stumm) und ist gleichzeitig doch immer existent am zweifach leeren Ort. An diesem Ort ist nicht nichts, sondern hier ist kein Kunstwerk, hier ist kein Vermittler. Die Erfahrung der Leere wird angefüllt durch ein immanent vorhandenes Anderes des Nichts. Die Grenze des Kunstwerkes ist nun der Vermittler. Der anwesende Vermittler beschreibt eine andere Grenze als der Abwesende.