Neulich im Kino.

Anders Björk – der Auftrag
Der moderne Film Noir sprengt die Grenzen des Genres.


Zu Beginn des Films ist alles ganz einfach: Ein Mann, eine Frau, eine Tasche voller Geld. Die Koffer sind gepackt, das Paar steigt – ganz offensichtlich gut gelaunt – in einen Wagen und fährt der einsetzenden Dämmerung entgegen. Aber „Anders Björk – der Auftrag“ wäre kein echter Film Noir, wenn es dabei bliebe. Schon der bald einsetzende Regen, der zunächst noch verhalten, dann aber wolkenbruchartig die Straße in ein unbekanntes, unüberschaubares und feindseliges Terrain verwandelt, fügt der trügerischen Oberfläche des Glücks einen ersten Riss zu. Als – mittlerweile ist es Nacht – ein Reifen platzt und der Mann den Wagen nur mit Mühe am Straßenrand zum Stehen bringt, wird die Vorahnung kommenden Unheils zur Gewissheit. Der Zuschauer wird Zeuge eines Streites, der schnell eskaliert. Am Ende bleiben zwei Tote zurück und eine herrenlose Tasche, gefüllt mit Banknoten. In der nächsten Einstellung steht ein untersetzter Mann mittleren Alters vor einem Büro. Anders Björk – Ideenjäger steht in blasser Schrift auf der Milchglasscheibe der Eingangstür. Der Mann zögert einen Moment, dann klopft er an die Tür.

Was nun geschieht, gehört ohne Zweifel zu den Sternstunden des zeitgenössischen Film Noir. Die Dekonstruktion der genretypischen Stilmittel und ihre anschließende radikale Neuinterpretation erfährt der Zuschauer als ein bereits im Charakter des Serienhelden „Anders Björk“ angelegtes Schema. Und hier schließt sich der Kreis: so wie „Anders Björk“ seine Fälle stets mit einer Mischung aus Beharrlichkeit und unverfrorenem „Andersmachen“ löst, so lösen sich gleichsam die Macher des Films von den stilistischen Vorgaben des Film Noir und betreten unverzagt cineastisches Neuland. Das „Andersmachen“ als grundlegender Verhaltenscodex der Anders Björk – Ideenjäger Reihe springt aus dem inneren Rahmen der Handlungslogik in die Metaebene der Filmsprache. Dieses Musterbeispiel lateralen Denkens würde Anders Björk sicherlich gefallen. Leider kann er diesen Sprung als ein im Medium Film Gefangener nicht nachvollziehen. In dieser Hinsicht ist der Zuschauer Anders Björk einmal voraus.