Warum werden 95% aller Werbebotschaften
nicht wahrgenommen?
Menschen sind Gewohnheitstiere. Wir haben gelernt, Bewährtes zu
wiederholen, um den Erfolg zu wiederholen. In der Mediengesellschaft
funktioniert diese eigentlich vernünftige Regel nicht. Niemand
käme auf die Idee, die Nachrichten von gestern zu wiederholen,
weil sie so gut angekommen sind. Menschen wollen Neuigkeiten.
Was folgt daraus? Der Wirkungsgrad der Werbung – das lässt
sich leicht nachweisen – ist immer dann sehr hoch, wenn Regeln
gebrochen werden. Regeln brechen? Man muss nicht gleich Gesetze oder
ethisch-moralische Grundhaltungen aus den Angeln heben und somit handfeste
Skandale produzieren. Mitunter reicht es schon Gewohnheiten, Traditionen,
Konventionen, Sichtweisen oder überkommene Werthaltungen in Frage
zu stellen oder sich visuellen Trends zu widersetzen, um die Aufmerksamkeit
der Zielgruppe einzufangen. Kaum etwas scheint spontan derart einsichtig
und doch so schwer zu befolgen. Warum?
Zwischen Intro- und Extroversion
Introversion: Im Grunde möchten alle, dass alles
beim alten bleibt, denn es könnte ja schlimmer kommen. Aus dieser
Grundhaltung heraus wird die Strategie entworfen, die Werbung bewertet.
Man orientiert sich an den Trends. Was ist modern? Trifft den Zeitgeschmack?
Was machen die anderen? Wie wird allgemein geworben? Welche Regeln muss
ich befolgen?
Extroversion: Die Zielgruppe – jede Zielgruppe – springt
nur auf neues an. Äußere Reize im Allgemeinen, die Werbebotschaft
im Besonderen reizt nur, wenn sie etwas Neues, etwas Überraschendes
bereithält.
Die Antwort auf das Warum lautet also: Weil man viel stärker in
der eigenen Wertewelt und nicht in der des Empfängers verhaftet
ist, als man selbst vermutet. Weil es viel Mut braucht, wenn man sich
Neuem öffnen will.
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